Schule in Paraguay
Wer mit der Familie und Kindern im schulpflichtigen Alter nach Paraguay auswandern will, steht vor der Frage, auf welche Schule diese gehen sollen, oder ob Homeschooling eine bessere Alternative darstellt.
Ich will direkt mit etwas starten, was man nicht tun sollte, nämlich der Besuch einer staatlichen öffentlichen Schule. Zwar ist dieser preislich am günstigsten, aber es gibt eine erhebliche Kluft im Bildungsniveau zu kirchlichen und privaten Schulen. Wenn man nach Asunción zieht und eine deutsche Schule besuchen will, dann kann ich zu einem das “Colegio Goethe – deutsche Auslandsschule” und das von den Mennoniten betriebene “Colegio Alemán Concordia” empfehlen. Das jesuitische “Colegio Cristo Rey” und “Colegio del Sol” sind auch eine sehr gute Wahl, auch wenn das keine deutsche Schulen sind.

Entscheidet man sich in eine “deutsche Kolonie” zu ziehen, wie im paraguayischen Chaco Loma Plata, Fernheim oder Hohenau in Ostparaguay, dann sollte eine der lokalen privaten deutschen Schulen besucht werden. Meine Frau hat eine besucht und wenn ich ihre Erlebnisse mit meinen Erlebnissen an einem staatlichen Gymnasium in Deutschland vergleiche, dann kann ich sagen, das Niveau passt – wenn nicht sogar ist es im Chaco mittlerweile höher als in Deutschland. An diesen Schulen ist Deutsch in der Regel die erste Sprache und Spanisch, Guaraní und Englisch werden dann mit der Zeit als Fremdsprachen gelernt. Die mennonitischen deutschen Schulen im paraguayischen Chaco haben auch eine eigene Universität, an welcher sie die eigenen Lehrkräfte ausbilden (Universidad Evangélica del Paraguay).
Was man bei den Mennoniten aber beachten sollte, sie sprechen meist Plattdeutsch, ein norddeutscher Dialekt, wobei sie auch Hochdeutsch beherrschen. Sowie predigen und leben sie “meistens” einen konservativen Lebensstil, zumindest nach außen hin. Ist keine gute Schule in der Nähe, dann greifen die eingewanderten Europäer meist zur Homeschooling-Lösung.
Ist nach dem Schulbesuch ein Studium in Deutschland geplant, dann sollte man beachten, dass der paraguayische Schulabschluss in der Regel nicht anerkannt wird. In diesem Fall muss ein einjähriges Studienkolleg besucht werden. Außerdem wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD) nicht automatisch als Nachweis für Deutschkenntnisse anerkannt. Welchen Nutzen das Sprachdiplom dann überhaupt hat, ist eine eigene Frage für sich.
Studium in Paraguay
Wenn die Kinder bereits im studienfähigen Alter sind oder man selbst plant, eine neue Karriere einzuschlagen oder sein Wissen zu erweitern, stellt sich die Frage, nach einem Studium und ob studieren an einer paraguayischen Universität eine sinnvolle Idee ist. Die Universitäten im Land sind deutlich verschulter organisiert als in Deutschland. Vorlesungen finden häufig im klassischen Schulklassen Format statt, etwas was ich auch in meinem Studium in Spanien kennengelernt habe.

Außerdem besteht eine erhebliche Kluft im Bildungsniveau und teilweise in der Ausstattung im Vergleich zu Deutschland. Darüber hinaus sollte man berücksichtigen, dass ein paraguayischer Hochschulabschluss in den DACH-Ländern als nicht sehr wertvoll angesehen wird und häufig nicht anerkannt wird. Daher sollte man sich hier zumindest ernsthaft die Frage stellen, ob ein Fernstudium z.B. an der Fernuniversität Hagen nicht eine viel sinnvollere Alternative ist. Geht es einem lediglich nur um Wissen anzueignen, dann sind YouTube Tutorial Videos in der Regel wesentlich effizienter als ein Uni-Besuch.
Ein paraguayischer Hochschulabschluss führt auch nicht automatisch zu einer guten beruflichen Perspektive. So gibt es zum Beispiel im Bereich der Rechtswissenschaften eine regelrechte „Inflation“ an Anwälten, sodass die Mehrheit später gar nicht in diesem Beruf arbeitet. Zudem ist der Großteil der Arbeitsplätze in Paraguay sehr schlecht bezahlt. Mehr dazu in meinem Artikel „Arbeiten in Paraguay”.
Staatliche und private Universitäten:
Es gibt sowohl staatliche als auch private Universitäten. In den letzten Jahren sind vor allem private Hochschulen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es gibt mittlerweile unzählige kleinere Universitäten, von denen einige nicht staatlich akkreditiert sind. Ein Abschluss von diesen ist am Ende praktisch wertlos.

Die größte staatliche Universität ist die Universidad Nacional de Asunción (UNA) mit ihren 47000 Studenten. Sie überzeugt durch sehr niedrige Studiengebühren, verlangt jedoch in der Regel das Bestehen eines Eintritts Examens. Die Universität und der Alltag an dieser ist sehr politisiert, zumal auch viele Kinder aus den bekannten Politikerfamilien hier studieren.
Hat man ein größeres finanzielles Budget, dann empfiehlt es sich, an der privaten Universidad Americana, der kirchlichen deutschstämmigen Universidad Evangélica oder der kirchlichen Universidad Católica zu studieren. Diese gehören mit der UNA zu den besten und renommiertesten Universitäten des Landes. Aber darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere Universitäten im Land, an welchen man studieren könnte. Wichtig ist hier immer, dass man sich im Vorfeld informieren sollte, ob die Universität akkreditiert ist.

Da viele Paraguayer neben dem Studium, meist aus finanziellem Zwang, gezwungen sind berufstätig zu sein, kann man an der Uni zwischen Vormittags- und Abendkursen wählen. Dies hat den Vorteil, dass man auch selbst nebenbei berufstätig sein kann. Ebenfalls studieren die Paraguayer in der Regel sehr lange. Ich habe Bekannte und Freunde, die bereits mehr als 15 Fachsemester absolviert haben und dennoch noch mehrere weitere Jahre bis zum Abschluss benötigen. Das liegt einerseits daran, dass sie wegen ihrer Arbeit nur in Teilzeit studieren können, andererseits aber auch daran, dass viele von ihnen weiterhin behütet im Elternhaus leben und keinen Bock auf den sehr schlechten Arbeitsmarkt haben. Sie versuchen die schöne Zeit im Leben um ein paar Semester zu verlängern.
Die allerwenigsten Paraguayer gehen für ein Auslandssemester oder ihr komplettes Studium ins Ausland. Fragt man Studenten hierzu, dann behaupten viele zwar, dies fest zu planen, aber am Ende siegt jedoch meist die typische paraguayische Bequemlichkeit “Tranquilidad”. Wer tatsächlich ins Ausland geht, entscheidet sich häufig für spanischsprachige Länder wie Argentinien oder Spanien. UK, Deutschland oder die USA sind absolute Ausnahmen und werden meist nur von sehr ambitionierten oder sehr wohlhabenden Studenten gewählt. Ausländische Studenten, die ein Austauschjahr in Paraguay verbringen, sind die Ausnahme; die meisten internationalen Studenten sind Brasilianer, da das Studium in Paraguay deutlich günstiger ist als in Brasilien.
Strebt man eine berufliche Ausbildung in Paraguay an, hängt die Qualität stark vom jeweiligen Betrieb ab. Die Spannbreite reicht von ausgezeichneten Ausbildungsstätten – häufig von Europäern geführt – bis hin zu, sagen wir, eher ungünstigen Möglichkeiten.
Anbei eine Liste Paraguayischer Universitäten
- Universidad Nacional de Asunción (UNA) – staatlich
- Universidad Americana (UA) – privat
- Universidad Evangelica (UEP) – kirchlich (mennonitisch)
- Universidad Católica (UC) – kirchlich (römisch-katholisch)
- Universidad Autónoma de Asunción (UAA) – privat
- UniNorte – privat
- Universidad Columbia – privat
- Universidad del Pacifico (UP) – privat

